Emil Èiæ, 
hrvatski 
glazbenik i publicist Križarski grb Emila Èiæa


'križarski amblem' Emila Èiæa AMAC - HRVATI
KOMENTAR
Hrvatska u Kristu!

 





DAS LAGER JASENOVAC (2)
JASENOVAC - DIE VERNACHLÄSSIGTEN TATSACHEN


Im Feuilleton bringt die größte kroatische Kirchenzeitung, „Glas Koncila“, in mehreren Fortsetzungen den ersten Teil des Textes von dem Journalisten des „Privredni vjesnik (Wirtschaftsbote)“, den die kroatische Tageszeitung, „Jutarnji list (Morgenblatt)“, ohne begründete Erklärung nicht veröffentlichen wollte, nachdem der Text von Slavko Goldstein, dem persönlichen Berater des kroatischen Regierungspräsidenten Zoran Milanoviæ, eine schlechte Zensur bekam.

Von Igor Vukiæ

Narudžba za knjigu 'Ogoljela laž logora Jasenovac'

Wo sind die Opfer von Jasenovac begraben?

  Die Menschen in der Gegend von Jasenovac erinnern sich an einen sehr kalten Winter 1941/42, in dem viel Schnee lag und die Temperaturen bis auf Minus 30 Grad herunter fielen, wobei der Fluss Save einige Male zugefroren war. Im Lager Jasenovac gab es deshalb große Probleme, da es in der gefrorenen Erde, die buchstäblich hart wie Stein war, kaum möglich war, ein Grab für einen Toten auszugraben. Und außer den Todesfällen von Häftlingen gab es auch andere Todesfälle. Am 28. Dezember 1941 beispielsweise kam der Ustascha Božo Bunèiæ, gebürtig aus Udbina, bei einem Scharmützel mit den „Aufständischen“ ums Leben. Sie schossen auf das Lager aus dem Dorf Donja Gradina, das sich genau gegenüber vom Lager auf dem rechten Saveufer befindet. Dem Bericht des Hauptquartiers des Ministeriums der Domobranen (Heimwehr) der NDH („Nezavisna Država Hrvatska“ = „Unabhängiger Staat Kroatien“) vom 31. Dezember 1941 zufolge, tauchten in Donja Gradina „etwa 150 Tschetniks auf“. Im Feuerwechsel kamen zwei Ustaschas ums Leben und drei wurden verletzt (Hrvatski državni arhiv, fond MINORS, kut. 1 [Kroatisches Staatsarchiv, Fond MINORS, Schachtel 1]). Bei diesem Angriff, der sehr selten in den bisherigen Büchern über das Lager erwähnt wird, kamen auch einige Lagerhäftlinge ums Leben: „Neben den Ustaschas kamen auch einige Lagerhäftlinge ums Leben. Zwei Tage aßen wir nichts und als wir endlich der Palenta wegen zur Küche gingen, pfiffen um uns Kugeln herum“, schrieb der Lagerhäftling Milan Gavriæ im Buch „Otkosi smrti“ („Die Schwaden des Todes“) (Narodna armija, Beograd, 1977.). „Der Verkehr wickelte sich in diesem Winter 20 Tage lang, vom 20. Dezember 1941 bis zum 10. Januar 1942, über die vereiste Save ab. Gerade zu dieser Zeit nahmen die aufständischen Partisanen das Dorf Gradina ein und so kam es zu kleineren Gefechten“, schrieb in jenen Tagen Jelisava Vivoda, die Lehrerin aus Uštice, in das Schultagebuch (Tagebuch der Ereignisse). Das Dorf Uštice ist zweihundert Meter von Gradina entfernt, getrennt durch den Fluss Una, der dort bei Jasenovac in die Save mündet. Die Bewohner von Uštice mussten wegen der Gefechte mit den Partisanen Tag und Nacht Wache halten, damit der Konflikt nicht auf ihr Dorf übergriff. Die Ustaschas aus Jasenovac erwiderten die Angriffe der Aufständischen in Gradina mit ihren Maschinengewehren und Minenwerfern. Auf der anderen Seite gab es jedoch keine Gefallenen. Diese „Aufständischen“ waren später Angehörige des 2. Krajina-Partisanentrupps. Die Ustaschas überquerten dann am 15. Januar die Save und griffen Gradina an, aber die Bewohner Gradinas wurden vorher gewarnt. Die Zivilisten brachten sich Tage zuvor bereits im Gebirge Kozara in Sicherheit. Vor dem stärkeren Angreifer (120 Ustaschas und 50 Domobranen) zogen sich die Partisanen mit ihren Familien zurück. Dem Bericht des Domobranenministeriums zufolge, stießen die Kräfte der Ustaschas und Domobranen bis zum Dorf Drakseniæ vor, 7 Kilometer südlich von Jasenovac. Das Dorf wurde eingenommen und angezündet, wird im Bericht (HDA, MINORS, dnevno izvješæe br. 17, kut. 1 [Tagesbericht Nr. 17, Schachtel 1]) mitgeteilt. Die Besatzung von Jasenovac machte anschließend einige hundert Meter südlich von Gradina die Verteidigungslinie fest. Als Sicherheitsmaßnahmen wurden Holzbunker errichtet, die mit den Schützengräben verbunden waren.

Oberst der JNA (Jugoslawischen Volksarmee):
Ende 1941 gab es 1189 Häftlinge

          Der Namensliste der Opfer der Gedächtnisstätten der Lager Jasenovac und Stara Gradiška zufolge, welche fortlaufend aktualisiert wird, kamen dort 82.129 Menschen zu Tode. Wo sind aber all die Opfer begraben? Wo endeten ihre Leichen? Es sind bereits 71 Jahre vergangen, seit dem Ankommen der Häftlinge im Gebiet der Ziegelei und anderer Industriebetriebe der Familie Baèiæ in Jasenovac. Historiker und Fachleute geben heute noch zu diesem Thema und auf diese einfachen Fragen keine klaren Antworten. In diesem Feuilleton wird versucht, anhand von Daten aus veröffentlichten Büchern, Erinnerungen der überlebenden Häftlinge, Fachartikeln und den bisher vernachlässigten Archivdokumenten, die Ereignisse in diesem Lager zu beleuchten. Es soll aufgezeigt werden, dass die große Liste der angeblichen Opfer von Jasenovac stark abweicht von den Ereignissen, die in den Archivdokumenten beschrieben sind. Zu Anfang des Jahres 1941 befand sich das Lager nur auf dem linken Saveufer bei Jasenovac. 1941 wurden - der Namensliste der Opfer zufolge - 9949 Häftlinge getötet. Ihre Leichen müßten sich also ausschließlich auf dem Gebiet von Jasenovac, bzw. der Dörfer Broèice und Krapje, den vorherigen zwei Lagerlokalitäten befinden. Im August und September 1941 wurden die übriggebliebenen internierten Juden und Serben aus den Lagern in Gospiæ und Pag nach Broèice und Krapje gebracht, weil die italienische Armee die Zone, in der sich die Lager befanden, wiedereingenommen hatte. Die Häftlinge kamen über Jastrebarsko in Broèice an und wurden in zwei Baracken untergebracht. Der Erinnerung des Jakob Danon zufolge, waren es etwa 600. Sie arbeiteten beim Errichten des Hochwasserdammes am Fluss Veliki Strug. Die Häftlinge waren in zwei Baracken in Krapje untergebracht, wo sie gemeinsam mit den Einwohnern von Jasenovac und der umliegenden Dörfer am Bau des Hochwasserdammes zum Schutz vor Überflutung des Flusses Save arbeiteten. Am 14. und 15. November 1941 wurden sie zusammen mit Barackenteilen endlich in die Baèiæ-Ziegelei umgesiedelt, wo das Lager Jasenovac, bekannt auch unter dem Namen Lager III. Ziegelei, bis zum 22. April 1945 bestehen blieb. Im Herbst kamen neue Häftlinge aus Zagreb, Karlovac, Sarajevo und anderen Orten dazu. Die jüdischen Kultusgemeinden aus Zagreb und Osijek, in Zusammenarbeit mit den Behörden der NDH, stellten den Häftlingen Essen und Kleidung zu. Aufgrund von Postkarten und Formularen, auf welchen die Häftlinge von der jüdischen Gemeinde Bekleidungsgegenstände fordern, wurde Ende Oktober die Liste der inhaftierten Juden in Krapje, Broèice und der Ziegelei aufgestellt. Es ist die Rede von 1450 Personen (Mario Kevo, „Poèeci logora Jasenovac“ [„Die Anfänge des Lagers Jasenovac“], Scrinia Slavonica 3, S. 494). Dem Dokument aus der dreibändigen Sammlung von Antun Miletiæ „Koncentracioni logor Jasenovac, dokumenti“ („Das Konzentrationslager Jasenovac, Dokumente“) zufolge, gab es gegen Ende 1941 1189 Häftlinge im Lager (Buch 1, S. 117). Auf dieser Liste gibt es Personen, die den ganzen Krieg überlebt haben und es gibt auch 280 unleserliche Namen, so dass sie im Abdruck nur mit Punkten gekennzeichnet sind. Vojislav Prnjatoviæ aus Sarajevo war vom 24. Dezember 1941 bis zum 30. März 1942 im Lager Jasenovac, als er mit weiteren 12 serbischen Häftlingen entlassen und nach Belgrad verfrachtet wurde. Seiner Schätzung nach gab es gegen Ende 1941 etwa 1100 Häftlinge im Lager. Serbische Häftlinge gab es zu dieser Zeit relativ wenig. Drago Hadži-Èolakoviæ schrieb, dass es etwa 450 deren gab (im Buch „Jasenovac“, Svjetlost, Sarajevo, 1948, S. 40). Von diesen Zahlen weicht nur die Angabe aus der schriftlichen Mitteilung der jüdischen Kultusgemeinde, gesendet Mitte Dezember 1941 an die Staatsleitung, beträchtlich ab. In diesem Schreiben wird Geld zum Unterhalt der Inhaftierten in Jasenovac gefordert, deren es 4000 sind. All diese Zahlen sind weit weg von der „offiziellen“ Zahl der Getöteten im Jahr 1941. Auf der Namensliste steht, dass 1941 am meisten Serben umkamen, und zwar deren 4240, und von den Juden kamen angeblich 3147 um. Alle Erinnerungen der überlebenden Häftlinge stimmen jedoch darin überein, dass es zu dieser Zeit am meisten Juden gab. Unter den Opfern sind auch 2233 Personen der Roma angeführt. Die überlebenden Häftlinge erwähnen jedoch für diese Periode überhaupt keine Romas. Besonders nicht in einer so hohen Zahl. Auf der Liste sind auch 225 Kroaten-Katholiken. Aber die Überlebenden erinnern sich, dass es zu dieser Zeit nur eine kleine kroatische Gruppe von einigen Dutzenden gab. Ein Teil davon waren Arbeiter der Zagreber Straßenbahn, die wegen Kommunismus verdächtigt wurden.

Im Jahre 1964 wurden 193 Skelette exhumiert


          Die Zahlen der Liste bestätigen auch nicht die Ergebnisse der Nachkriegsausgrabungen. Ein Team von Anthropologen, angeführt von Vida Brodar, Alojz Pogaènik und Srboljub Živanoviæ, entdeckte im September 1964 auf dem Gebiet des Lagers Ziegelei 193 Skelette, davon 96 weibliche, 69 männliche, 6 von Kindern und 22 unbekannten Geschlechts (die Leichen befanden sich zum größten Teil außerhalb der ausgegrabenen Gruben). Wie auf dem Befund steht, den man im Kroatischen Geschichtsmuseum erlesen kann, sind auf den meisten Skeletten keine sichtbaren Verletzungen erkenntlich und einige davon hatten Frakturen am Rücken, bzw. an den Schulterblättern, entstanden durch Schläge mit stumpfen Gegenständen. Es wurden Bekleidungsteile gefunden, bäuerliches und städtisches Gewand, Riemenschuhe (opanci), Flachschuhe und Goiserer, Kämme, Regenschirme und andere Gegenstände, ebenso Goldzähne bei Leichen älterer Personen. Auch umfangreiche Aussagen von fünfzehn Häftlingen, anwesend gerade zu dieser Zeit im Lager, die man im Kroatischen Staatsarchiv und in der Geschichtsliteratur einsehen kann, bestätigen nicht, dass es zu dieser Zeit eine große Zahl von Gruppen- oder Massenerschießungen gab. Ihre Erinnerungen stimmen überein in der Beschreibung einiger Fälle, von denen in der Fortsetzung des Feuilleton die Rede sein wird.
       Die Namensliste der Jasenovac-Gedenkstätte mit 9949 angeblich Getöteten im Jahr 1941 steht in großer Diskrepanz mit den Beschreibungen des alltäglichen Lebens der Häftlinge zu jener Zeit.

Die ersten Tötungen am 20. September 1941

         Häftlinge, welche zuerst in den Baracken in Broèice und Krapje ankamen, wurden durchsucht und beraubt. Die Ustascha-Kommandanten hielten ihnen dabei eine Rede, in der man sie ermahnte, nicht zu fliehen, da die beim Fluchtversuch Gefangenen erschossen werden würden. Falls der Fluchtversuch gelingen würde, werde auch eine gewisse Zahl von Häftlingen aus der Arbeitsgruppe und der Gruppe aus dem Heimatort des Flüchtlings erschossen werden. Am Anfang kam es zu keinen Gewaltakten bei der Arbeit. Der Häftling Drago Svjetlièiæ sagte am 7. Juli 1942 bei dem Belgrader Flüchtlingskommissariat aus, dass bis Ende September 1941 „das Regime verträglich war, da die Ustascha-Wachleute, alles ältere Personen, aus Osijek und hauptsächlich ziemlich anständig waren“. „Wir wurden nicht geschlagen und es kam bis zum 20. September 1941 zu keiner Mißhandlung, bis ein gewisser Abinun, ein Tapezierhelfer aus Zagreb, einen Fluchtversuch unternahm“, sagte 1945 der Häftling Miroslav Auferber vor den Befragern der Landeskommission zur Feststellung der Verbrechen des Besatzers aus (HDA, ZKRZ-GUZ, Schachtel 10). Auferber beschreibt, wie die Ustaschas damals im Laufschritt die Häftlinge antrieben und auf einmal sah es aus, als würden jene vorne versuchen zu fliehen. Die Wache eröffnete das Feuer und tötete dabei einige Häftlinge. „Es war dies das erste Töten in Jasenovac“, sagte Auferber aus. Schwere Arbeit, ungenügendes Essen, kaltes, regnerisches Wetter und Verlaustheit fingen an, die Häftinge auszuzehren. Das erste serbische Opfer hieß Pero Zlokas aus einem Dorf zwischen Sisak und Petrinja, der erkrankte und starb. Dem Buch des Häftlings Drago Hadži-Èolakoviæ „Jasenovac“ (Svjetlost, Sarajevo, 1948, S. 41) zufolge, kam Zlokas nach Jasenovac, weil er in der Gegend um Petrinja als Kurier der Aufständischen gefangen wurde.

Besser angezogen und besser vorbereitet für den Winter


        Das Ankommen einer größeren Zahl von Menschen in die Lagerbaracken verschlechterte das Problem der Ernährung. Große Anstrengungen, um genügend Essen zu sichern, machte die jüdische Gemeinde. Dabei tat sich die Abteilung für die Lagerversorgung der jüdischen Kultusgemeinde aus Osijek hervor. Zwei ihrer Mitglieder, Andrija Ripp und Vlado Grünbaum, besuchten am 19. Oktober 1941 Jasenovac wegen der Absprache um die Versorgung des Lagers. Sie kamen mit der Erlaubnis der Sicherheitsbehörden von Osijek mit dem Judenstern an der linken Brustseite. Am Eingang zum Lager wollte ein Ustascha dem Grünbaum seinen schönen Ledermantel ausziehen, aber ein Wachmann verhinderte dies und führte sie zu den Vorgesetzten. Zuerst sprachen sie mit Ante Remenar, dem Chef des Versorgungsbüros, und anschließend mit dem Hauptkommandanten, dem „Vertrauten für die Lager“ Maks Luburiæ. Er sagte zu ihnen: „Seht, die Tatsache selbst, dass ihr hierher zu mir gekommen seid und wieder gehen werdet, verneint die Gerüchte, dies wäre eine Tötungsstätte“. Und tatsächlich „wir waren die einzigen Juden, die ins Lager kamen, ohne interniert zu werden“, sagte Grünbaum (HDA, ZKRZ-GUZ, Schachtel 11). Es wurde abgesprochen, dass die jüdische Kultusgemeinde aus Osijek im Namen und auf Rechnung des Lagers Essen (Kartoffeln, Bohnen, Weißkraut, Fett, Makkaroni, Zwiebeln und Paprika) für die Häftlinge kaufen wird und das Versorgungsbüro des Lagers ihnen das Geld zurückerstatten wird. Grünbaum und Ripp kehrten bald nach Jasenovac zurück und haben diesmal 50 Nähmaschinen für die Werkstätten in Jasenovac-Lager herbeigeschafft. „Mit diesen Maschinen haben wir den Winter für 500 Menschen erträglicher gemacht, die an ihnen arbeiteten“, beurteilte Grünbaum. Die jüdische Gemeinde aus Zagreb schickte am 5. November 1300 Einzelpakete mit Kleidung nach Jasenovac. Es wurde grobes Schuhwerk, versehen mit Holzsohlen, gekauft (260 Kuna das Paar) und den Häftlingen zugestellt. Aus Osijek und Slawonien kamen 150.000 kg Weißkraut an, genauso viel Kartoffeln, 50.000 kg Zwiebeln, 30.000 kg Bohnen und beträchtliche Mengen an Kaffeeersatz (ZKRZ-GUZ, Schachtel 11). Die jüdischen Gesandten stellten in den Rundbriefen, die sie an andere Gemeinden der NDH verschickten, fest, dass die Inhaftierten nun besser angezogen und besser vorbereitet für den Winter sind. Aber das Regime im Lager verschärfte sich nach einigen Fällen von Flucht. Obendrein waren die neuen Wachleute nicht mehr so diszipliniert wie jene alten, so dass es zu Fällen mutwilligen Verhauens und Schießens auf die Häftlinge kam. Angeblich deswegen, weil sie nicht gut genug arbeiteten oder es wurde nur der Verdacht auf Flucht geschöpft. In so einer Schießerei wurde Salamon Pesah von einer Kugel in den Rücken getroffen. Den Lagerärzten Stjepan Politzer und Leon Periæ gelang es, ihn zu heilen, und Pesah war im April 1945 noch am Leben. Die Ustascha-Wachleute machten bei den Baracken einen Käfig aus Stacheldraht, den sog. „Sitz“, in dem sie nach eigenem Ermessen die Verdächtigten einsperrten und sie so bei Kälte und Regen ausharren ließen. Nach einer solchen Behandlung starb Oton Gavranèiæ, einer der Anführer des Jugoslavenski sokol (Jugoslawischer Falke), erinnert sich Dragutin Hadži-Èolakoviæ. Manche Vergehen wurden in jenen Tagen auch mit 25 Schlägen geahndet. „Vor dem Schlagen musste der Arzt den Verurteilten untersuchen und feststellen, ob er ohne Furcht um sein Leben die Strafe ertragen konnte“, erzählte 1945 der ehemalige Häftling Zdenko Schwartz (HDA, ZKRZ-GUZ, Schachtel 11). Gegen Ende Oktober 1941 wurde in Krapje eine größere Zahl von Häftlingen erschossen. Warum dies geschah, ist aus den verfügbaren Dokumenten nicht ohne Weiteres zu ersehen. Einer Version zufolge kam es in Krapje zum Aufstand, hervorgerufen durch schlechtes Essen. Angeblich versuchten nachts einige Häftlinge, die Wachen zu überwältigen und zu fliehen. In den Schriften der ZKRZ (der Landeskommission zur Feststellung der Kriegsverbrechen) kann man die Aussage von Elsa Grün finden, der gesagt wurde, dass in Jasenovac 87 Personen erschossen wurden aus Vergeltung für das Legen einer Mine in der Hauptpost. Diese Hinrichtung hat - mehreren Quellen zufolge - persönlich Vjekoslav Luburiæ beaufsichtigt. Ljubo Miloš hat den Untersuchungsrichtern der (ersten jugoslawischen Geheimpolizei) OZNA 1947 erzählt, dass in diesem Fall Luburiæ sogar die Vollstreckung organisierte, indem er aus Zagreb das mobile Standesgericht, mit dem Vorsitzenden Ivan Vidnjeviæ voran, herbeischaffte. Die Geschichtsschreibung erwähnt an diesem Tag die Zahl der Opfer in einer Spannbreite zwischen 87 bis 800.

Erschießungen als Strafe nach der Flucht

        Im September gelang es zwei serbischen Häftlingen zu fliehen. Branko Mrakoviæ und Ljubo Popoviæ flohen von der Arbeit im Wald und schliefen im Lager Broèice. Sie entwaffneten den Wachmann, flohen und verletzten dabei den Ustascha mit dem Beil im Gesicht. Zur Strafe dafür wurden 26 Serben erschossen, die zwei Nächte vorher im Offenen im „Sitz“ aus Stacheldraht verbringen mussten (Hadži-Èolakoviæ, Jasenovac, S. 47). Nach Aussagen von Überlebenden, verunglückten 40 Menschen während der Übersiedlung der Häftlinge von Krapje und Broèice in das Hauptlager. Bis Ende Dezember wurden im Hauptlager Nummer 3, bzw. der Ziegelei, 25 Häftlinge (Serben und Juden) wegen angeblichem Angriff des Häftlings Branko Ðujiæ auf den Ustascha erschossen, mit dem er im Dorf außerhalb des Lagers Karten spielte. Ðujiæ war verantwortlich für die Nahrungsbeschaffung für die serbische Baracke und so ging er öfters nach Jasenovac und kehrte in Špicmilers Gaststätte und anderswo ein. Er freundete sich mit den Ustaschas an, übertrieb aber mit dem Trinken, dem Erzählen von den Mithäftlingen nach.
        Einige Tage später kam es zu noch einer Erschießung. Diesmal aber unter dem Kommando von Vjekoslav Luburiæ. Nach Worten von Drago Hadži-Èolakoviæ zufolge wurde ein Fähnrich bestraft, weil er den Revolver eines betrunkenen deutschen Offiziers gestohlen hatte. Die Vorposten-Soldaten wurden wegen Raubes in den umliegenden Dörfern erschossen. „Auf ihren Grabplatten ließ Luburiæ schreiben: 'Hier ruhen 10 Ustaschas, erschossen, weil sie sich an den Ustaschavorschriften versündigten'“, sagte Hinko Singer, ein Häftling aus Karlovac (HDA, ZKRZ-GUZ, Schachtel 9). Auf der rechten Seite der Gedenksäule stand die Drohung: „Hierher werden jene kommen, die sich an den Vorschriften versündigen“. Der Aussage von Hinko Mann zufolge, einem der Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Zagreb, floh im Herbst 1941 ein gewisser Hahn aus dem Lager. Er war ganz erschöpft, da er im Lager in kurzer Zeit 20 kg verlor und versteckte sich bei einem Freund in (Zagreber Stadtteil) Èrnomerec. Hinko Mann brachte ihn heimlich zum Domkapitel, zu Erzbischof Alojzije Stepinac. Es war dies am Sonntag, einen Tag vor der Tagung der Bischofskonferenz, die vom 17. bis 20. November tagte. Hahn beschrieb, was in Jasenovac geschah, und der Erzbischof sagte, er werde darüber die übrigen Bischöfe benachrichtigen und einen Bericht nach Rom schicken.

Auf dem Gebiet des Lager Jasenovac
wurden 193 Skelette gefunden

           In den Beschlüssen der Bischofskonferenz, abgehalten vom 17. bis 20. November 1941, die dem „Poglavnik“ Ante Paveliæ zugestellt wurden, ist die Besorgniss „für all jene, die leiden“, ausgedrückt worden und „ein menschlicher Umgang mit den Juden, soweit dies möglich ist, mit Rücksicht auf die deutsche Anwesenheit“ gefordert worden (Popis objavljenih isprava [Verzeichnis der veröffentlichten Schriftstücke], Fontes [Zagreb] 2, S. 24). Nach allem zu urteilen, hat der erzbischöfliche, schriftliche und mündliche Einsatz dazu verholfen, dass die Behörden bald den Besuch einer internationalen Kommission organisierten. In dieser Kommission, die am 6. Februar 1942 in das Lager ging, war auch der Sekretär des Bischofs, Stjepan Lackoviæ, wie auch Giuseppe Massucci, Sekretär des Abtes Marcone, des päpstlichen Legats in Zagreb, mit dabei.

In 130 Ausgrabungen wurden 282 Leichen gefunden

         Auf dem Gebiet des Lagers Jasenovac wurden nach dem Krieg 193 Skelette gefunden. Noch schockierender ist der Unterschied zwischen der jetzigen offiziellen Liste der Opfer von Jasenovac und dem Ergebnis der Exhumierungen auf dem rechten Flussufer der Save, auf dem Gebiet von Donja Gradina. Wenn man aus der Namensliste die Opfer trennt, die angeblich in Stara Gradiška (etwa 12.720) umgekommen sind, sieht es aus, als ob nur in Jasenovac von Anfang 1942 bis zum 22. April 1945 etwa 60.000 Häftlinge umgekommen wären, bzw. dass in diesen 1.200 Tagen vom Bestehen des Lagers durchschnittlich 50 Menschen pro Tag getötet worden wären. Die Gräber von so vielen Menschen zu finden, dürfte doch kein Problem sein.
         Im Jahre 1964 und 1976 wurden auf dem Gebiet von Donja Gradina große und umfangreiche Untersuchungen unternommen. Die Teams der Anthropologen bohrten im Jahre 1976 Löcher mit einer besonderen Dachnowsky-Sonde, die Erde jedoch war so hart (obwohl dies im April war), dass man davon abließ. Die Bohrungen wurden weiter per Hand mit einem Spiralbohrer unternommen. Die Ergebnisse können im Buch „Koncentracioni logor Jasenovac“ („Das Konzentrationslager Jasenovac“) von Radomir Bulatoviæ aus dem Jahr 1988 auf den Seiten von 184 bis 285 ersehen werden. Insgesamt wurden 1964 an Stellen, wo Erzählungen zufolge die Massenhinrichtungen stattgefunden hatten, 130 Bohrungen gegraben. Es wurden 182 Leichen gefunden. In der Zwischenzeit wurde das Gebiet aus der Luft aufgenommen, um durch Absenkungen der Erde festzustellen, wo die Gruben sind.
         Später, 1976, wurden noch 191 zusätzliche Bohrungen gemacht. Die Untersuchungen führten die Ärzte Dr. Alojz Šercelj und Dr. Vida Brodar aus Ljubljana, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Slowenischen Akademie der Kunst und Wissenschaft. In die reine, unberührte Erde wurde bis zu einer Tiefe von 1,5 Meter gebohrt und in die durchmischte Erde bis 2,5 Meter. Von 191 Bohrungen wurden bei 23 Bohrungen einige menschliche Überreste gefunden: Knochen, ein Lederschuh, eine emaillierte Schüssel und Ähnliches. In den übrigen Bohrungen fand man hauptsächlich „Pseudogley“, und dies ist, erklärte Šercelj, „Erde, die sich im Laufe von Jahrtausenden im oxireduktionellen Prozess an einer Stelle schuf. Das bedeutet gleichzeitig, dass es an der Stelle der Bohrung, wo wir auch auf das Pseudogley stießen, kein Grab gibt und geben kann“. Jene Stellen, die menschliche Überreste enthielten, waren eigentlich Gräber, welche schon 1964 entdeckt und gleich wieder zugeschüttet wurden.

„Wir konnten nicht finden, wo die Gräber sind“

         Die Forscher der Geheimpolizei OZNA verlangten 1947 von Ljubo Miloš, er solle ihnen beschreiben, wie die Ustaschas gegen Ende des Krieges die Spuren ihrer Verbrechen beseitigten. Miloš antwortete, dass sie dies versuchten, aber „wir konnten nicht finden, wo die Gräber sind“. Angeblich musste auch der ehemalige Kommandant Miroslav Majstoroviæ dazukommen, um in den Wäldchen und im Gestrüpp von Donja Gradina bei der Suche nach Gräbern mitzusuchen. Ohne besonderen Erfolg jedoch. Es sei bemerkt, dass 60.000 Leichen, hingelegt, eine neben der anderen, eine Fläche von 54.000 Quadratmetern einnehmen würden (0,5 m x 1,8 m x 60.000). Diese Fläche ist etwa sechsmal größer als der Ban-Jelaèiæ-Platz in Zagreb. Die Fläche, auf der jugoslawische Spitzenphorensiker Sonden auf der Suche nach Leichen bohrten, betrug 9.700 Quadratmeter. Es ist wirklich ungewöhnlich, dass nach diesen umfangreichen Untersuchungen eine so kleine Zahl sterblicher Überreste gefunden wurde.
         Nataša Mataušiæ aus dem kroatischen Geschichtsmuseum, Autorin zweier sehr informativer Bücher über das Lager („Jasenovac, logor smrti i radni logor“ [„Jasenovac, das Todes- und Arbeitslager“] aus dem Jahre 2003 und „Jasenovac: fotomonografija“ [„Jasenovac: Fotomonographie“] aus 2008) konnte bei den Versuchen in der Aufklärung, wie viele Menschen im Lager selbst umkamen und wie viele in der Umgebung, auch nicht weiterhelfen. Auch nicht, wo man denn die kleinen Skelette der 20.000 Kinder suchen sollte, die der Namensliste nach in Jasenovac angeblich getötet worden wären. Die gleiche Frage mit der Berechnung der Fläche, die die Leichen der Getöteten einnehmen würden, stellten wir auch an Nataša Jovièiæ, der Leiterin der Jasenovac-Gedenkstätte.
         Sie antwortete, „wir wüssten aus der Erinnerung und der Literatur, dass die schlimmsten Hinrichtungen in Donja Gradina geschahen. Auf dem Gebiet des Lagers, wo sich jetzt die Gedenkstätte befindet, wurden die Leichen auf dem Gebiet der heutigen Limani (Anlegestellen-Molen) und auf einigen anderen Stellen, von denen wir die Lokalitäten haben, begraben. Demnach sind manche mathematische Kalkulationen nicht glaubwürdig“.
         Limani (Mole), der erste Lagerfriedhof, den Nataša Jovièiæ erwähnt, hat eine Oberfläche von etwa 1000 Quadratmetern. Bereits 1964 wurde er neben den übrigen Lokalitäten exhumiert. In mehreren Grabstellen fand man die schon erwähnten 193 Leichen. Diese Angabe wurde 1999 bei der Gerichtsverhandlung in Zagreb gegen Dinko Šakiæ, 1944 Lagerkommandant von Jasenovac, hervorgebracht. In der nicht weit entfernten Ortschaft Uštica, wo das Lager der Roma war, haben die Gruben eine ähnliche Gesamtfläche von 1218 Quadratmetern, wie es auf dem Denkmal bei diesem Friedhof geschrieben steht. In der Nähe von Stara Gradiška befinden sich zwei Massengräber. In ihnen wurde - gemäß den Angaben der Internetseite der Gedenkstätte - 1945 etwa 2000 Leichen exhumiert. Falls dies auch richtig wäre (Angabe ohne Gewähr), wäre die Rede von Personen aus dem Lager Stara Gradiška.

Slavko Goldstein ohne eine klare Antwort

         Was ist inzwischen mit Jasenovac? Die Leiterin der Gedenkstätte Nataša Jovièiæ sagt, „dass auch eine große Zahl von Ermordeten in den Fluß Save geworfen wurde“. Im Winter 1941/42 war dies wegen der vereisten Save nicht möglich. Aber auch sonst ist diese Erklärung nicht glaubwürdig.
          Nach den Dokumenten aus dem Buch von Antun Miletiæ wurden aus der Save etwa 200 Leichen herausgeholt, und dies erst gegen Ende des Krieges. Da Leichen früher oder später an der Oberfläche schwimmen, wäre es schwierig, vorher die riesige Zahl obenauf schwimmender Leichen nicht zu bemerken. Nach den im Buch veröffentlichten Befunden hatten einige dieser Leichen Domobranen- und Partisanenuniformen an, und in den Taschen wurden Militärausweise gefunden. Dabei stellt sich auch die Frage über ihre Mörder. Die Lagerhäftlinge trugen keine Militäruniformen. Zwischen Jasenovac und Stara Gradiška gab es während der ganzen Kriegszeit einen lebendigen Verkehr entlang des Flusses. Die Häftlinge beförderten Material und Erzeugnisse, hergestellt in den Lagerwerkstätten.
          Die Bestätigung dessen kann man auch in den Quellen der Partisanen finden. Die Partisanen führten im Mai 1942 von der bosnischen Seite aus einen echten Piratenangriff mit Booten auf einen Schlepper aus, der von Jasenovac nach Stara Gradiška fuhr. „Die Kämpfer zielten auf die Besatzung, die etwa 10 Schuss abfeuerte. Die Kämpfer stießen in das Boot, beeilten sich zum Schlepper und warfen eine Bombe in den Motor. Der Ustascha-Hauptmann schoss aus seiner Pistole, bis er getötet wurde. Es wurden zwei Zivilisten im Schlepper gefunden. Von der feindlichen Besatzung rettete sich einer mit einem Sprung in die Save und schwamm davon. Im Schlepper wurden 1 Maschinengewehr, 5 Karabiner, 2 Pistolen, 400 Schuss Munition, 2 Ustaschauniformen, 100 Meter Mais, 30 Meter Heu, Schmiedewerkzeug, einige hundert Meter Kabel, verschiedene Töpfe und 300 Liter Erdöl beschlagnahmt. Die Kämpfer nahmen den Motor heraus und versenkten den Schlepper (Zbornik dokumenata i podataka o Narodnooslobodilaèkom ratu, tom IV/5, str. 151. [Sammelband der Dokumente und Unterlagen über den Volksbefreiungskrieg, Band IV/5, S. 151]). Die Frage nach den Leichen der Häftlinge aus Jasenovac stellten wir auch dem Publizisten Slavko Goldstein, der unter anderem auch das Buch „Jasenovac i Bleiburg nisu isto“ („Jasenovac und Bleiburg sind nicht das Gleiche“) veröffentlichte. Auch er hatte keine klare Antwort darauf. Auch die zahlreichen Geschichts- und Erinnerungsbücher, die seit 1945 bis heute erschienen sind, geben keine Antworten. Ebenso gibt es keine präzisen Erklärungen in zahlreichen Fachartikeln der Geschichte.
          Zum Vergleich: Während des Prozesses über die Untersuchungen der Partisanenverbrechen wurden die Leichen der hingerichteten Personen an verschiedenen Stellen in Slowenien und Kroatien ordentlich aufgefunden und exhumiert.
          Donja Gradina ist rätselhaft, auch deswegen, weil sich dort Teile der Lagerwirtschaft befanden. Dort „wurde Heu gepresst“ (Häftling Drago Èolakoviæ) und der Wald gerodet (Radoslav Ratkiæ, Häftling vom August 1943 bis März 1944). Von dort kamen die Ruten für die Körbe, welche die Häftlinge flochten.

Es gab eine sehr präzise Kartei

         Der Namensliste JUSP Jasenovac zufolge fing das schlimmste Jahr 1942 - mit 55.813 angeblichen Opfern - mit der Verbesserung der Lebensumstände der Häftlinge an. Nach Neujahr wurden sechs Montagebaracken herbeigeschafft, in der Größe von 24 m x 6 m und einer Kapazität für 200 Personen. Die Häftlinge bauten auch eine Baracke für die Kantine und eine, in der das Krankenhaus mit der Ambulanz eingerichtet wurde. Es wurde auch eine Hauptküche errichtet. Ein Vorkriegssägewerk wurde in Betrieb gesetzt und man fing auch an, andere Werkstätten und eine Kettenfabrik in Stand zu setzen. „In 15 Tagen bekam das Lager wie durch eine Zauberhand ein ganz neues Bild, das den Kommissionsmitgliedern annehmbar sein sollte“, erzählte Vukašin Žegarac in Belgrad am 10. April 1942, nach der Entlassung aus dem Lager Jasenovac. Die Häftlinge bekamen bessere Nahrung und mehreren Quellen zufolge gab es keine Massenerschießungen vor der Ankunft der Kommission. Aber am 5. Februar wurden 16 Häftlinge erschossen, worüber im Hrvatski državni arhiv, Zbirka izvornog gradiva NDH (Kroatisches Staatsarchiv, Sammlung des Quellenmaterials der NDH) ein Protokoll besteht. Dem Protokoll zufolge „haben die Kommunisten-Häftlinge“ eine Flucht geplant und den Wachmann angegriffen. Der Erschießung wohnten die Vertreter der Bezirksbehörde und der Gemeindearzt bei, und den Tod der Bestraften stellte der Lagerarzt Dr. Gustav Leimdörfer fest.

In der Kommission auch das Serbische Rote Kreuz

         Die Kommission kam am 6. Februar an, und es führte sie der Chef des Ustascha-Aufsichtsamtes (UNS) Eugen Dido Kvaternik an. Mitglied der Kommission war auch Giuseppe Massucci, Sekretär des päpstlichen Legats Ramiro Marcone, weiterhin Stjepan Lackoviæ, Sekretär des Erzbischofs, und die Vertreter des Kroatischen Roten Kreuzes und des Serbischen Roten Kreuzes aus Belgrad (den Worten der Inhaftierten zufolge auch eine kleinere, vollere Dame). Es waren auch Berichterstatter aus Italien, Deutschland, Rumänien und Ungarn sowie der deutsche Major Knähe und andere dabei.
          Oft wurde geschrieben, dass es in Jasenovac keine gute Häftlingsevidenz gab, dies ist jedoch falsch. Es gab eine sehr präzise Kartei. Sie wurde den Kommissionsmitgliedern als Beweis, dass es sich um ein geordnetes Lager handelte, präsentiert. Es wurde ihnen beschrieben, auf welche Weise die Ordnungsbehörden die Vorschläge über das Befördern des Häftlings in das Lager unterbreiten, wie über sie genaue Personalakten mit Foto und Personenbeschreibung herausgegeben werden und wie alles in die Lagerkartei verzeichnet wird, aus der dann Kopien nach Zagreb verschickt werden.
          Die Beschreibung dieses Evidenzsystems kann man in der Arbeit „Lišavanje slobode i prisilni rad u zakonodavstvu NDH“ („Freiheitsberaubung und Zwangsarbeit in der Gesetzgebung der NDH“) finden, dessen Autor Mario Kevo ist. Die Arbeit wurde 2010 in der Sammlung „Logori i prisilni rad u Hrvatskoj i Jugoslaviji 1941-1951“ („Lager und Zwangsarbeit in Kroatien und Jugoslawien 1941-1951“) veröffentlicht. Hier befinden sich auch die Faximileformulare, in denen die Entscheidungen eingeschrieben wurden, nach denen die UNS jemanden in ein Arbeitslager schickte und Bestätigungen des Lagers darüber, dass auch jemand aufgenommen wurde. Es wurden auch Faximileabdrucke von „Entlassungsscheinen“ veröffentlicht, bzw. die Bestätigung darüber, dass jemand nach der ausgehaltenen Strafe aus dem Lager entlassen wurde. Die Häftlinge bekamen wegen der Kommission Bänder mit der Nationalitätszugehörigkeit um den Arm gebunden. Die Juden gelbe, Serben blau-weiße und Kroaten rot-weiße. Die größte Mehrheit trug gelbe Bänder.

Pakete mit Nahrung und Arzneien

         Als die Besichtigung zu Ende war, folgten günstige Zeitungs- und Geheimdienstberichte über die Situation im Lager. Sogleich am nächsten Tag wurden 13 serbische Häftlinge in die Lagerleitung einberufen, und man teilte ihnen mit, dass sie nach Hause gehen werden. Sie mussten nicht mehr arbeiten, bekamen neue Kleidung und zweifache Essensportionen. Am 30. März wurden sie nach Belgrad verfrachtet.
          Vom Frühling an konnten die Häftlinge ihren Familien Postkarten schreiben und von ihnen Pakete mit Nahrung und Arzneien erhalten. Nach der Erinnerung des Ante Miletiæ, Häftlings von Februar 1942 bis Mitte 1943, gab es bis Frühling 1942 zum Frühstück hauptsächlich Maisbrei, zum Mittagessen gekochte Rüben und Weißkraut und zum Abendessen Kartoffeln mit Kartoffelsuppe. Zum Mittagessen gab es manchmal auch Pferdefleisch. Hinko Steiner sagt, dass sie auch öfters Rindsuppe, gekocht aus Rindsknochen, bekamen (HDA, ZKRZ, Schachtel 11).
          Zu Ostern 1942 wurde ein freier Tag bestimmt. Die Häftlinge bekamen ein Festessen mit gekochten Eiern und einem Stück Speck. Das Brot wurde im großen Ofen für die Ustascha und Häftlinge gebacken.
          Miletiæ wurde bald aus der Kettenfabrik zum Boten im Lagerkrankenhaus in der Ortschaft Jasenovac versetzt. „Hier gab es Essen, so viel man wollte. Ein echtes Hotel 'Esplanade'. In diesen Monaten aß ich Gries mit Milch, dass es für drei Leben reichen würde“, sagte Miletiæ dem Autor dieses Feuilletons aus, in Zagreb im Februar 2012.
          Die jüdischen Gemeinden schickten regelmäßig Pakete mit Nahrung. Gemäß den Eisenbahnlieferscheinen, aufbewahrt im Kroatischen Staatsarchiv, wurden am 17. Juni 1942 700 kg Nahrung und Bekleidung gebracht. Dann am 1. Juli kam eine Sendung von 920 kg an und am 8. Juli wurde Nahrung und Kleidung von insgesamt 1079 kg zugestellt. Die jüdische Gemeinde aus Zagreb schickte in den vier Jahren etwa 50.000 Einzelpakete in die Lager oder etwa 600 wöchentlich, gemäß dem Bericht der Jüdischen Kultusgemeinde aus dem Jahre 1945 (HDA, ZKRZ, Mikrofilm Z-2944).

Eine ungewöhnliche Gewissenhaftigkeit
der „kaltblütigen Mörder“

         Im Frühling, aufgrund der großen Schneeschmelze, durchbrach die Save den Damm und überflutete das Lager. Die meisten der Häftlinge wurden für zehn Tage nach Stara Gradiška gebracht, bis das Wasser zurückging. Es blieben nur einige Dutzend Menschen in den Räumen auf den Stockwerken, zu denen das Wasser nicht drang. „Wir konnten doch noch das ganze Vieh retten“, sagte Gjuro Schwartz (HDA, ZKRZ, Mikrofilm Z-2942). Die Wärme, Feuchtigkeit und die schlechten hygienischen Zustände haben die Entwicklung von Epidemien gefördert. Velika župa Vrhbosna (großer Gau Vrhbosnien) schickte seiner Polizeileitung ein Schreiben, dass in Jasenovac der Typhus ausgebrochen sei, und „so werden aus diesem Grunde bis auf Weiteres keine Häftlinge mehr aufgenommen“ (A. Miletiæ, Buch 2, S. 177). Jetzt können tiefere Gräben für die Toten, wegen dem Hervorquellen der unterirdischen Gewässer, nicht mehr ausgegraben werden.
          Die Bezirksbehörde aus Novska hatte schon am 17. November 1941 dem Gesundheitsministerium geschrieben, dass unter den Häftlingen eine Epidemie von akuten Darmkrankheiten herrscht, sowie auch Verlaustheit. Und dies nicht nur bei den Häftlingen, sondern auch bei den Ustaschas, die sie bewachen. An Typhus starben auch sieben oder acht Ustaschas von der Besatzung, die das Lager bewachten (Horvat, Buljan, Prešuæene novljanske žrtve [Horvat, Buljan, Die verschwiegenen Opfer von Novska, S. 680]). An Typhus starb im November 1944 auch Zvonimir Brekalo, der Lagerseelsorger und katholische Priester.
          Die jüdische Gemeinde aus Osijek und die Abteilung für Seuchen des Gesundheitsministeriums sprachen sich über die Besorgung von Desinfektionsapparatur ab. Die Gemeinde Osijek kaufte am 4. Mai 1942 ein Mikroskop für das Laboratorium des Jasenovac-Krankenhauses, welches 6000 Kuna kostete (Rechnung im HDU, Fond UNS, Schachtel 6).
          In Jasenovac wurden auch einzelne Todesfälle im Lager protokollmäßig verbucht. Auf der Web-Seite der Gedächtnisstätte kann man auch ein Faximile des Protokolls finden, worauf steht, dass am 1. März 1942 in der Krankenhausambulanz eine Frau tot aufgefunden wurde. Es wurde eine Kommission aus fünf Personen zusammengestellt (der Gemeindevorsteher von Jasenovac Nikola Vidakoviæ, gennant „Bradonja“- der „Bärtige“, zwei Lagerärze und zwei Ustaschas). Es wurde „ein natürlicher Tod festgestellt, und es wurde befohlen, dass die Tote innerhalb einer Frist von 4 Stunden auf dem Lagerfriedhof zu begraben ist“. Das Protokoll wurde in fünf Exemplaren ausgestellt und der Bezirksbehörde in Novska geschickt, „dem Kommando der Sammellager in Jasenovac“, der Ustascha-Aufsichtsbehörde, Büro 1, in Zagreb, der Ustascha-Aufsichtsbehörde, Büro III, in Zagreb und der Expositur des Verwaltungsbezirkes der Bezirkspolizei in Sisak.
          Eine ungewöhnliche Gewissenhaftigkeit von Menschen, die angeblich fähig sind, jeden Tag kaltblütig 152 Menschen umzubringen (soviel kommt heraus, wenn man die Zahl von 55.813 Opfern aus der Namensliste durch 365 für dieses Jahr 1942 teilt). Die an Herzversagen Verstorbene hieß Barbara Lugariæ, eine Kroatin aus Sisak. Auf der Namensliste des JUSP Jasenovac steht bei ihrem Namen: von den Ustaschas im Lager getötet.

Aus dem Lager zur Heilung der serbischen Kinder

        Große Verdienste in der Bekämpfung der ersten Typhusepidemie im Lager, die im Frühling 1942 ausgebrochen war, hat Dr. Josef Konforti, ein Arzt aus Travnik. Als Jude wurde er am 17. März ins Lager gebracht. Schnell erkannte er die Ursache des rapiden Anstiegs von Erkrankungen, verbunden mit hohen Temperaturen. Der Lagerleitung mit Ljubo Miloš voran hielt er einen Vortrag über Maßnahmen zur Bekämpfung der Ansteckung (eine detaillierte Aussage Konfortis befindet sich im Buch „Seæanja Jevreja na logor Jasenovac“ („Erinnerungen eines Juden an das Lager Jasenovac“), Beograd, 1972, S. 209-239. Konforti erklärte ihnen, dass den Flecktyphus eine Laus überträgt, die keinen Unterschied zwischen einem Häftling und einem Wachmann macht. Deswegen müssen sich alle die Haare bis zur Glatze schneiden lassen und sich regelmäßig rasieren, öfters baden und die Kleidung und das Bett desinfizieren. Miloš nahm alle Ratschläge an und ordnete an, dass sie durchgeführt werden. Konforti hat mit gewissem Berufsstolz in der Aussage hervorgehoben, dass die Maßnahmen zur Sanierung des Lagers erfolgreich waren, und ab Mitte Mai gab es keine Krankheitsfälle mehr. Der Typhus kam im Lager jedoch noch sporadisch vor, besonders, nachdem gefangene Partisanen ins Lager gebracht wurden.

Häftlinge – Ärzte und Krankenpfleger

         Im Mai hat Vjekoslav Luburiæ Konforti zu einer Sitzung gerufen. Er sagte ihm, er solle Ärzte und Krankenpfleger organisieren, die zusammen mit dem Ustaschatrupp in einen Einsatz gehen werden. „Es wird lustig sein“, sagte Luburiæ. Einen Tag vor dem Einsatz, der am 25. Mai geschah, hielten Konforti und andere Ärzte für zehn Soldaten, „zehn Jungs in Ustaschauniformen“, einen kurzen Kurs im Verbinden und Abbinden von Wunden. Luburiæs Trupp von 500 Soldaten trat zum Durchbruch der Straße vor, die die Partisanen in Richtung Drakseniæ nach Bosanska Dubica besetzt hatten. Als Sanitätseinheit gingen auch die Ärzte-Häftlinge mit: Josef Konforti, Igor Gasparini und Marin Jurèev sowie einige andere Häftlinge als Krankenpfleger.
         An diesem Tag fiel Igor Gasparini neben der Straße nach Dubica bei der Hilfeleistung den verwundeten Ustaschas. In ihrem Bericht rühmten sich die Partisanen, dass sie einen „Ustascha-Arzt“ getötet hatten. Dem Ustascha-Trupp gelang es bis nach Dubica vorzustoßen, wo Konforti und Jakob Danon in Begleitung des Zugführers Mandila zum Bier- und Kaffeetrinken in ein Gartenrestaurant gingen. Der Truppenführer half ihnen, bei der Post eine Postkarte an die Familie zu schicken. „Die Schwestern in Split bekamen eine Ansichtskarte und an der Briefmarke sahen sie, dass sie aus Dubica abgeschickt worden war. Was ich jedoch dort tat, davon hatten sie keine Ahnung“, sagte Konforti.

Unklares Schicksal der slowenischen Priester


         Nach der Rückkehr nach Jasenovac trat Marin Jurèev den Ustaschas bei und wurde Hauptmann und Leiter des neuen Krankenhauses, das in der Ortschaft Jasenovac gebaut wurde. Er setzte mit den Häftlingen die Mitarbeit weiter fort und hielt Verbindungen mit den Kommunisten und Partisanen aufrecht, weswegen er im Herbst 1944 gehängt wurde. Konforti wurde danach in das Kinderheim im Schloss Gornja Rijeka bei Križevci geschickt, um dort von Juni bis August 300 serbische Kinder ärztlich zu behandeln, welche nach der Schlacht auf der Kozara dorthin gebracht wurden. Anfang 1943 schickte ihn die Lagerleitung zu einer neuen Dienstreise nach Kupinec, wo er die Familie des Vlado Maèek, Vorsitzender der HSS (Kroatischen Bauernpartei) behandeln sollte. Von dort aus floh er dann zu den Partisanen. In seiner langen, detaillierten Erinnerungsschrift „Seæanja Jevreja…“ („Erinnerungen eines Juden…“) führt Konforti keine einzige Tötung im Lager an, die er gesehen hätte.
         Im Jahre 1942 endeten im Lager auch sieben slowenische katholische Priester, die die Deutschen zu Anfang des Krieges aus Slowenien in die NDH vertrieben hatten und in der nordkroatischen Gegend Hrvatsko Zagorje lebten. Sie waren wegen Verbindung mit den Partisanen und ungenügender Loyalität mit den Behörden angeklagt. Hchw. Franjo Rihar wurde in Donja Stubica angeklagt, dass er anlässlich des 10. April (Staatsfeiertag der Gründung der NDH) die heilige Messe für die Heimat nicht feiern wollte. Kurz nach seinem Kommen in das Lager starb er an Typhus. Das Schicksal der übrigen Priester ist noch viel undurchsichtiger. Jakob Ratko Sem starb oder wurde getötet vor dem 20. September. Die anderen inhaftierten Priester (Franc Grobler, Franc Kaè, Ivan Kodriè, Anzelmo Polak und Ivan Ranèigaj) arbeiteten als Krankenpfleger im Lagerkrankenhaus, dann aber wurden sie am 17. Oktober aus dem Lager gebracht und kamen nie wieder zurück. Überlebt hat nur Anton Rantaša, der sich wegen Krankheit an diesem Tag in der Lagerambulanz befand.
         Als die Meldung über die Tötung bis zu Erzbischof Stepinac gelangte, schrieb er an Paveliæ einen Brief, in dem er Jasenovac als einen Schandfleck und Verbrechen bezeichnete. „Falls die Priester gegen den Staat handelten, warum hat man sie nicht zum Gericht gebracht?“, schrieb Stepinac. Ende Oktober hielt er eine scharfe Predigt, in der er unmissverständlich den Rassismus und andere mit dem Christentum unvereinbare Ideologien verurteilte.

In einem Jahr wurden sechs Häftlinge erschossen


         Gegen Ende des Krieges wurde in das Lager auch Hchw. Franjo Orešnik gebracht, auch ein Slowene, der nach der Vertreibung aus Slowenien in Kutina und Velika Ludina seinen Dienst ausübte. Im Dezember 1944 wurde er wegen dem Verdacht, den Partisanen zu helfen, inhaftiert. Unter den Umgekommenen im Lager war auch der Theologiestudent Mihajlo Lozinski, ansonsten Ukrainer und griechisch-katholisch aus dem Dorf Lipovljani, den die Deutschen und Ustaschas im September 1944 aus Vergeltung für einen Partisanenangriff gefangennahmen. Mit ihm zusammen wurden auch 200 andere Bewohner von Lipovljani ins Lager gebracht. Lozinski starb, der Errinnerung von Überlebenden nach, an Typhus.
         In Jasenovac gab es auch einige Fälle, in denen Häftlinge wegen Ereignisse, die nicht direkt mit dem Lager zu tun hatten, zur Strafe erschossen wurden. Dies zeigt das Schreiben von A. Skelina, dem Vertreter des Verteidigungsministeriums, gesandt Ende November 1941 den muslimischen Einheiten unter dem Kommando von Husko Miljkoviæ (HDA, Fond MINORS, Schachtel 1). Miljkoviæ war zu dieser Zeit Vebündeter der Partisanen, mit denen er einige NDH-Amtsleute entführte (einen Unterbezirksrat und einen Hauptmann und ihre Fahrer). Skelin warnt, dass im Gegenzug Familienmitglieder von Partisanen verhaftet werden. „Falls ich keine klare Antwort über das Schicksal unserer Leute bekomme, werden Mitglieder ihrer Familien und Mitglieder der kommunistischen Partei im Lager Jasenovac erschossen werden“, steht im Schreiben zu lesen.
         Aus dem Lager wurden Häftlinge zur Vergeltung für Partisanenangriffe nach Osijek und Zagreb zum Erschießen oder Hängen gebracht. Lidija Zlatiæ war in einer Gruppe von 50 männlichen und weiblichen Häftlingen, welche aus Stara Gradiška nach Zagreb zum Erschießen beordnet waren. Es kam aber das Urteil, dass 20 von ihnen erschossen würden, so dass die Übrigen zur Verbüßung der Strafe zurückkehrten. Das Osijeker Standesgericht ersuchte am 23. Oktober das Herbeischaffen des Braco Frank aus dem Lager Jasenovac zur Verhandlung wegen illegaler kommunistischer Tätigkeit. Frank wurde zum Tode verurteilt (HDA, ZKRZ, Schachtel 10).
         Ivica Brkljaèiæ, Kommandant des Lagers Jasenovac vom 29. März 1943 bis zum 30. April 1944, sagte vor den Untersuchungsrichtern der Landeskommission aus, dass er zu seiner Zeit einen schriftlichen Befehl aus Zagreb, aus der Abteilung für die Lagerverwaltung erhalten habe, zur Erschießung von sechs Häftlingen und dies ausführte. Dabei hat er auf eigene Initiative den Ante Došen ausgelassen, weil dieser sein „Pate und Nachbar“ war. Brkljaèiæ fügte dabei hinzu, dass diese während seiner einjährigen Verwaltung im Lager auch die einzigen Häftlinge waren, die erschossen oder auf eine andere Art umkamen. „Als ich Lagerleiter in Jasenovac war, durfte weder geschlagen noch getötet werden. Noch zu Anfang meines Dienstes bestrafte ich zwei Ustaschas, weil sie einen Ingenieur verschlagen hatten. Deswegen habe ich daheim viele Dankbarkeitsbriefe von verschiedenen Häftlingen, die sich bei mir später meldeten“, sagte Brkljaèiæ aus (HDA, ZKRZ, Schachtel 251). Auch die Häftlinge aus dieser Zeitspanne beschreiben regelmäßig nur diese eine Erschießung.

Aus der Lagerkasse wurde den Serben
Entschädigung ausbezahlt

         Die Partisanen verstärken in der ersten Hälfte von 1942 ihre Kampfhandlungen südlich des Flusses Save, wobei ihnen die Gebirgsgegenden der Kozara und Prosara als Guerillabasen zugutekamen. Sie bedrohten die umliegenden Städte, Verkehrswege und das Bergwerk in Ljubija. Die Ustaschabesatzung aus Jasenovac hatte bis April 1942 keine Konflikte mit der mehrheitlich serbisch-orthodoxen Bevölkerung der Nachbardörfer Mlaka und Jablanac am linken Saveufer, zwischen Jasenovac und Gradiška. Die Dorfbewohner sind inzwischen zum Katholizismus übergetreten. Die Herzegowiner aus der Einheit in Jasenovac brachten von zuhause ausgezeichneten Tabak mit und verkauften ihn den Dorfbewohnern aus Mlaka, und diese wiederum den Partisanen. So teilten sich die unversöhnten Feinde die Tabaksfreuden.

Rache für Gefallene mit den Partisanen

        Dies währte nur bis zur Nacht zwischen dem 3. und 4. April, als die Partisanen aus dem Dorf Orahovo an der rechten Uferseite die Save nach Jablanac überquerten. „Die Ustaschastreife, die mit Booten versuchte, nach Jablanac zu gelangen, hatte keinen Erfolg, und auf Trockenem war es wegen der Überschwemmung nicht möglich, ins Dorf zu gelangen“, steht im Bericht des Hauptquartiers des Domobranenministeriums zu lesen. Die Partisanen übersiedeln danach mit Booten über den Fluss auf die rechte Uferseite alle 350 Einwohner von Jablanac, samt ihren 200 Schweinen und viel beweglichem Hab und Gut. Danach stecken die Partisanen und Dorfbewohner das Dorf und die orthodoxe Kirche in Brand.
         Einige katholische Familien siedelten ins benachbarte Mlaka über. Aber am 14. April erfolgte der Partisanenangriff auf die Ustaschabesatzung in Mlaka. Es fielen drei Ustaschas und vierzehn wurden verletzt. Im Gegenangriff wurden die Partisanen zurückgeworfen und das Dorf wieder eingenommen. Die Bewohner von Mlaka wurden auf dem Flusswege in die Lager Jasenovac und Stara Gradiška gebracht. Von dort aus gingen die Frauen zur Arbeit nach Deutschland, und die Männer wurden zuerst in das Lager „Sajmište“ (Marktplatz) in Zemun und später zur Arbeit nach Deutschland und Norwegen transportiert. Es ist durchaus möglich, dass sich die Ustaschas wegen ihrer Gefallenen im Kampf mit den Partisanen in Mlaka rächten. Mato Stanèiæ, ein Lagerhäftling aus Jasenovac seit dem 10. März 1942, sagte vor den Vertretern der Landeskommission aus, dass am 23. Mai „30 Ältere aus Mlaka getötet wurden und die Übrigen wurden nach Deutschland zur Arbeit verschickt“.
         Die Partisanen versuchten noch einige Angriffe auf Jasenovac. Der Angriff am 17. April dauerte von 4 bis 6 Uhr morgens. „Mit Gewehrfeuer versuchten die Aufständischen den Übergang auf das linke Ufer der Save und den Angriff auf Jasenovac und das Lager. Der Versuch wurde ohne eigene Verluste vereitelt. Die Verluste der Aufständischen sind nicht bekannt.“ (HDA, MINORS, Izvješæa Glavnog stožera [Berichte des Hauptquartiers]). Der nächste vermerkte Angriff stammt vom 5. Mai. Um 23.30 Uhr kamen den Fluss Una entlang etwa 20 Partisanen. Bei Gradina griffen sie die Ustaschawachen an. Am nächsten Tag, wieder bei stockdunkler Nacht, folgte eine neue Schießerei. „Auf die Ustaschawachen schoss auch die serbisch-orthodoxe Bevölkerung, wobei ein Ustascha fiel. Wegen dieses Vorfalls ließ der Kommandant des Sammellagers alle Serbisch-orthodoxen in das Sammellager internieren“, steht im Tagesbericht des Hauptquartiers des Domobranenministeriums vom 16. Mai 1942 geschrieben. Die Ustaschas siedelten von da an die orthodoxen Serben aus Jasenovac und Uštica aus, jene also, die bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Arbeit nach Deutschland gegangen oder noch nicht nach Serbien geflüchtet waren. Sie schickten sie auch in das Lager Sajmište nach Zemun. Von dort aus wurden die arbeitsfähigen Männer die Donau entlang bis nach Wien und Linz verschifft und weiter nach Deutschland und Norwegen. Die Übrigen wurden entlassen oder gingen nach Serbien. Aus den Arbeiten der Autoren, die diese Fälle beschrieben haben (Filip Šikljan, „Mlaka i Jablanac, nestala sela“ („Mlaka und Jablanac, die verschwundenen Dörfer“), sowie von Buljan und Horvat, „Prešuæene novljanske žrtve“ („Die verschwiegenen Opfer von Novska“), geht hervor, dass die Ustaschas die serbische Bevölkerung aus diesen Dörfern umgesiedelt hatten, um einen Sicherheitskordon zum Schutze des Lagers und seiner Umgebung zu schaffen.
         Aus Jasenovac wurden aber nicht jene Serben weggebracht, die als Facharbeiter in den Lagerwerkstätten arbeiteten, und einige serbische Frauen, die mit Kroaten verheiratet waren. Im Lager haben z. B. die Brüder Slavko und Rajko Metlaš, Serben aus Jasenovac, gearbeitet. Slavko war Aufseher im Elektrizitätswerk und Rajko in den Wirtschaftsanlagen. Slavko Metlaš hat den Krieg überlebt und lebte später in Belgrad. Rajko verschwand auf dem „Kreuzweg“ (nach Kriegsende Kolonnen von Zigtausenden von Kriegsgefangenen, kroatischen Soldaten und zum Teil kroatischer Zivilbevölkerung von Bleiburg in Österreich bis Serbien, die zum größten Teil von den Partisanen umgebracht wurden), und der dritte Bruder Branko ist als Domobran gefallen (Buljan, Horvat „Prešuæene novljanske žrtve“, S. 678). Noch ein Serbe, Milan Miljenoviæ, war die ganze Zeit während des Krieges in der Lagerleitung bei der Abteilung der kaufmännischen Rechnungsführung beschäftigt. Bei der Befragung vor der Landeskommission zur Untersuchung der Verbrechen des Besatzers 1946 redete er sich heraus, dass „er von Natur aus ein zurückhaltender und ruhiger Arbeiter sei und keine besonderen Einzelheiten beschreiben könnte wie jene anderen, jüngeren Leute“. Es kann angenommen werden, dass er sich fürchtete, wegen der Zusammenarbeit mit den Ustaschas angeklagt zu werden.

Die Lagerhäftlinge als Busfahrer von Buslinien

        Die Partisanen waren während des Krieges in der Nähe des Lagers. Slavko Odiæ und Slavko Komarica schrieben in dem 2008 erschienenen Buch „Zašto Jasenovac nije osloboðen“ („Warum Jasenovac nicht befreit wurde“) über den Bericht eines Partisanenagenten, dem es gelang, sich von dem unteren Gebiet des Gebirges Kozara („Potkozarje“) 1942 bis Jasenovac einzuschleusen und danach über eine Bekannte in das Lager zu gelangen, um zu sehen, was dort geschieht. Diese, allem Anschein nach, phantastische Geschichte scheint real zu sein, wenn man weiß, dass durch das Lager vom Damm neben der Save bis Jasenovac, von dem Dorfe Košutarica, östlich des Lagers, eine Straße führte. So gingen die Bewohner von Jasenovac fast während des ganzen Krieges auf die andere Seite bis zu ihren Feldern. Dabei versammelten sie sich vor dem Eingangstor des Lagers und danach passierten sie unter Führung eines Wachmanns das Lager. Dieser Partisanenagent hieß Dragan Luciæ und rühmte sich, wie er beim Ausspionieren des Lagers den Dienstplan der Wachmannschaft, ihre Bewaffnung in Erfahrung brachte und den Partisanen auch das Schema der Lagerverteidigung schickte (Antun Miletiæ, „Koncentracioni logor Jasenovac“ Buch I, S. 88).
         Neben Mlaka und Jablanac setzten sich die Diversanten der Partisanen aus Bosnien über, in Richtung der Eisenbahnlinie Zagreb-Belgrad. Der ehemalige Häftling Sreæko Kutnjak beschrieb, wie die Lagerhäftlinge die Buslinie Stara Gradiška-Okuèani-Stara Gradiška aufrechterhielten. Eines Tages stieß der Bus mit den Fahrern Drago Vuèkoviæ und Vilim Crnkoviæ auf einen Partisanenhinterhalt. In der Schießerei wurde ein Ustascha aus der Begleitung getötet, einer verletzt, und Vilim Crnkoviæ wurde an der Schulter schwer verletzt. Der Bus konnte sich irgendwie bis zum Lager durchschlagen, wo Crnkoviæ im Krankenhaus versorgt wurde (HDA, ZKRZ, Schachtel 216).

Intervention des Pfarrers Augustin Kralj

         Nach den Partisanenangriffen hat die Ustaschabesatzung in Jasenovac die Stellungen verstärkt und die nachrichtendienstliche Aktivität entfaltet. Sie verfügten auch über Fliegerabwehr Geschütz (FLAK), so dass die Luftwaffe der NDH gewarnt wurde, ohne vorherige Anmeldung das Lagergebiet nicht zu überfliegen, da ansonsten ohne Vorwarnung das Feuer eröffnet würde.
         Im Oktober 1942 kam es zu einem Vorfall in dem Dorf Crkveni Bok, das 12 km westlich von Jasenovac in Richtung Sunja liegt. Unter dem Verdacht, dass die serbischen Bewohner mit den Partisanen zusammenarbeiten, fielen die Ustaschas aus Jasenovac in das Dorf ein und führten alle Dorfbewohner samt Frauen und Kindern in das Lager Jasenovac ab. Auf die Intervention des Dorfpfarres Augustin Kralj und anderer Diensthabender, die bis zum Staatsoberhaupt Paveliæ und Regierungsminister der NDH vordrangen (in seinem Tagebuch erwähnt Mladen Lorkoviæ den Vorfall), wurden alle Bewohner, bis auf acht, bald nach Hause gelassen. Den Dorfbewohnern wurde sogar aus der Lagerkasse der Schaden für ihr gestohlenes und vernichtetes Eigentum entrichtet. Von den acht Einbehaltenen konnten vier von ihnen aus dem Lager entfliehen.
         Die Ermordungen von katholischen Priestern und die Aktion Crkveni Bok brachten das Glas der Toleranz dem Benehmen von Luburiæ zufolge zum Überlaufen. Es wurde eine neue Untersuchungskommission ins Lager geschickt, voran mit dem hohem Regierungsvertreter Aleksander Seitz und Ivo Bogdan, dem Chef des Propagandaamtes. Auf Beharren der deutschen Vertreter wurde Luburiæ entlassen und auf einige Zeit aus dem Lager entfernt. In Šumec, einem Ort neben Lepoglava, wurde er interniert. An seiner Stelle wurde Stanko Šarac aus dem Innenministerium der Beauftragte für die Lager. Ljubo Miloš ging auch weg aus Jasenovac, er wurde in Zagreb wegen der Aktion in Crkveni Bok in Savska cesta eingesperrt. Luburiæ gewann im April 1944 wieder an Einfluss auf das Lager, und Ljubo Miloš kehrte erst im April 1945 dorthin zurück.


Entnommen der kroatischen katholischen Kirchenzeitung „Glas Koncila“, in sechs Fortsetzungen vom 17. März bis 21. April 2013.

Igor Vukiæ



  


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